Zwölf Wörter, die keine Übersetzung wagen: Ein Sprach-Quiz durch Europa
Photo: Acabashi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Jeder 26. September wird Europas Sprachen gefeiert – und jedes Jahr stellen wir fest: Wir haben noch längst nicht alle Wörter entdeckt, die es nur in genau einer Sprache gibt. Diesmal haben wir zwölf Muttersprachler:innen gebeten, uns ihr Lieblings-Unübersetzbares zu erklären. Herausgekommen ist eine kleine Reise durch die europäische Seele.
Die Melancholie-Abteilung
Saudade (Portugiesisch) – Unsere Lissabon-Korrespondentin Ana beschreibt es so: „Saudade ist Sehnsucht nach etwas, das vielleicht nie existiert hat. Man hat es für Menschen, für Orte, für ein ganzes Land." Portugal in einem Wort.
Hygge (Dänisch) – Ja, es ist zum Klischee verkommt. Aber unser Kopenhagener Leser Jonas besteht darauf: „Hygge ist kein Kerzenheld, sondern die Kunst, Zeit zu verschenken, ohne ein Ziel zu haben."
Fernweh (Deutsch) – Das Gegenstück zum Heimweh: das Weh nach der Ferne. Nur wir Deutschen haben dafür ein eigenes Wort – und gleich ein ganzes Reiseland daraus gemacht.
Die Alltagsphilosophie
Sisu (Finnisch) – Unsere Leserin Marjatta: „Sisu ist, wenn du eigentlich aufgeben willst und es trotzdem tust. Finnische Winter bestehen aus Sisu."
Kummerspeck (Deutsch) – Wörtlich: Kummer-Speck. Das Gewicht, das man sich tröstlich isst. Andere Sprachen haben das Phänomen, aber nur wir haben das Wort – und sind nicht besonders stolz darauf.
Meraki (Griechisch) – Etwas mit Seele und Hingabe tun. Der Grieche, der Souvlaki brät, als ginge es um die Weltmeisterschaft, arbeitet mit Meraki.
Die Sozialforschung
Gemütlichkeit (Deutsch) – Ja, wieder wir. Aber unser niederländischer Kollege Jeroen sagt: „Gemütlichkeit ist das, was passiert, wenn die Deutschen aufhören, effizient zu sein. Es braucht Zeit und keinen Termin."
Lagom (Schwedisch) – „Nicht zu viel, nicht zu wenig, genau richtig." Schwedens Lebensformel, die uns unsere Leserin Ingrid als „das Gegenteil von All-in-Kultur" erklärte.
Schlemihl (Jiddisch) – Der ewige Pechvogel, der zwar verlieren, aber dabei charmant bleiben kann. Jiddisch ist ohnehin Europas unterschätzte Sprachschmiede.
Die Poesie-Ecke
Duende (Spanisch) – Das geheimnisvolle Feuer, das Flamenco, Dichtung und manchmal auch ein gutes Abendessen durchzieht. Our Madrid-Leser Carlos: „Duende hast du oder nicht. Man kann es nicht lernen, nur spüren."
Verschlimmbessern (Deutsch) – Etwas verbessern und dabei verschlimmern. Ein Wort, das in Brüsseler Kommissionsgebäuden offenbar unbekannt ist, sonst gäbe es es dort längst als Amtsdeutsch.
Dolce far niente (Italienisch) – Die Süße des Nichtstuns. Kein Müßiggang, sondern eine bewusste Kunst. Während Nordeuropäer:innen das Nichtstun mit schlechtem Gewissen tun, feiert Italien es als Vollendung.
Und jetzt: Quiz!
Drei Fragen für zwischendurch:
- Welches Wort beschreibt Sehnsucht nach etwas, das nie existiert hat?
- Welches Wort bedeutet wörtlich „Kummer-Speck"?
- In welcher Sprache bedeutet „lagom" so viel wie „genau richtig"?
Wer zwei von drei richtig hat, darf sich Europäer:in des Tages nennen. Wer alle drei hat: Schreibt uns – wir suchen noch Korrespondent:innen. Und wer jetzt ein Wort vermisst, das in eurer Muttersprache einzigartig ist: Die Kommentar-Spalte wartet. Schließlich sind wir noch lange nicht am Ende des europäischen Wortschatzes.